Wo findet eine tansanische Silvesterparty statt?
Autor: Nadine | Datum: 05 Januar 2012, 11:39 | 0 Kommentare
... in einem tansanischen Dorf natuerlich in der Kirche. Was passiert um Mitternacht? Alle fangen wie verrueckt an zu tanzen und zu jubeln. Und wer macht einfach mal ganz spontan bei einer Tanzvorfuehrung des Auf-das-neue-Jahr-Einstimmungsprogramms mit? Nadine.
Mein tansanisches Silvester begann mit einer Daladala-Fahrt von Bukoba nach Ilemera, einem kleinen Dorf ungefähr 80 Kilometer suedlich von Bukoba. Dorthin wurde ich von einer Arbeitskollegin zum Jahreswechsel eingeladen. Nach meiner Ankunft gab es natuerlich erst einmal etwas zu essen und danach wurde mir bei einem kleinen Rundgang das Dorf gezeigt. Anschlieβend begannen die Vorbereitungen fuer den letzten Abend des Jahres 2011. Es wurde gekocht. Jeder hat geduscht und sich fertig gemacht, denn es sollte ja noch in die Kirche gehen. Vor dem Essen hatten sich dann alle im Wohnzimmer der Familie versammelt und es wurde sich „warm“ gemacht fuer den Silvesterabend. Einfach eine CD reingeschmissen und dann ging das Tanzen auch schon los. Ich hab nicht lange gezögert und auch gleich mitgemacht. Ein Sohn der Familie, einige Nachbarn und Freunde hatten nämlich so eine Art Choreografie einstudiert (ich hab gedacht, das ist eine Choreografie vom Chor). Durch ein bisschen Zugucken habe dann einfach versucht mitzumachen. Das fanden natuerlich alle ganz toll. Ziemlich schnell hatte ich die Jacke, zu der mir vorher geraten worden war, wieder ausgezogen.
Nach dem Essen, so ungefährt um 21.15 Uhr, sind wir dann zur Kirche gegangen. Dort war schon ordentlich was los. Mir wurde im Vorfeld erzählt, dass ein Konzert stattfindet. Das ist hier so Tradition. Man beendet gemeinsam das alte Jahr in der Kirche und startet gemeinsam in ein neues. Bei dem Konzert sind verschiedene Chöre aufgetreten und Einzelne haben etwas dargeboten. Zwischendurch hat der Pastor immer wieder, wie ein Rueckblick, die besonderen Momente im Gemeindeleben des vergangenen Jahres vorgelesen. So und so viele Kinder wurden getauft, so und so viele Kinder wurden konfirmiert. Dann war Besuch aus Schweden da und dann Besuch aus Deutschland. Man hat sozusagen die Höhepunkte noch einmal Revue passieren lassen. Anschlieβend wurden immer die nächsten Programmpunkte angekuendigt. Auf einmal hieβ es, jetzt kommt eine „Show“ und alle, mit denen ich im Wohnzimmer getanzt hatte, sind aufgestanden. „Nadine, du machst doch auch mit, oder?“ hieβ es dann. „Ja“, habe ich gedacht, „warum auch nicht.“ Wir haben uns also vorne, vor der ganzen Gemeinde aufgestellt und ein Raunen ging durch die Reihen „Mzungu, Mzungu“. Naja, und dann ging es auch schon los. Dann habe ich auch verstanden, dass das im Wohnzimmer sozusagen die Generalprobe war. Später kam dann der zweite Teil der Show. Dieses Mal kannte ich weder Lied noch Choreografie vorher, habe aber trotzdem mitgemacht. Es hat einfach unglaublich viel Spaβ gemacht! Immer, das war aber auch bei den anderen Darbietungen so, wenn den Zuschauern etwas besonders gut gefallen hat, wurde laut gejubelt. Menschen sind einfach aufgestanden und haben an ihrem Platz mitgetanzt. Die Stimmung war wirklich unglaublich.
Irgendwann wurde dann eine Uhr in der Nähe des Altars an die Wand gehängt. Das ist jetzt gemein zu sagen, aber das ist wohl der einzige Moment im ganzen Jahr, wo in einem Dorf auf die Zeit geachtet wird. Gegen 23.30 Uhr hat der Pastor dann mit einer kleinen Abendandacht das Jahr beendet. Dann wurde jedes Licht und jede Kerze ausgemacht. Anschlieβend hat er versucht, die Menschen zu Ruhe und Ordnung zu rufen. Er wollte, dass alle geduldig bis 0.00 Uhr warten (dann sollte wohl auch die Uhr klingeln), allerdings wurde es in den letzten fuenf Minuten vor Jahreswechsel immer lauter, sodass keiner weder die Uhr noch den Pastor hören konnte. Als es dann endlich soweit war, schallte Musik aus allen Boxen, drauβen wurde in die Vuvuzelas getrötet, alle sind in lauten Jubel ausgebrochen, haben sich in den Armen gelegen oder einfach nur wie wild losgetanzt. Das war irgendwie unbeschreiblich, aber richtig cool!
Lange ging diese Feierei allerdings nicht. Nachdem man allen ein frohes neues Jahr gewuenscht hatte, war Aufbruchsstimmung. Alle haben sich langsam, aber immer noch laut trötend, jubelnd oder was auch immer auf den Heimweg gemacht. Wir haben dann noch gemuetlich zusammen gegesessen, Tee getrunken und Maandazi gegessen und sind dann irgendwann ins Bett gegangen.
Am nächsten Morgen ging es nämlich um 10.00 Uhr wieder zum Gottesdienst in die Kirche. Da wusste dann auch schon das ganze Dorf, dass ich am Abend vorher ordentlich bei der Show mitgetanzt hatte. Viele Leuten haben mich darauf angesprochen, aber sie fanden es wohl wirklich gut.
Nach dem Gottesdienst haben wir dann Mittag gegessen, uns etwas ausgeruht oder einfach nett unterhalten und sind abends noch etwas spazieren gegangen. Ilemera liegt nämlich auch sehr nah am See und so wurde mir noch ein Platz gezeigt, von dem aus man einen tollen Blick auf den See und die umliegende Landschaft hat.
Nicht nur, dass mir das tansanische Silvester super gefallen hat. Die Gastfreundschaft der Menschen ist einfach unbeschreiblich. Sie tun alles, damit man sich wirklich wohlfuehlt, sind unfassbar nett und geben von dem wenigen, das sie haben, noch so viel ab. Das ist echt beeindruckend!
Ich wuensche euch fuer das neue Jahr 2012 alles erdenklich Gute, Glueck, Gesundheit sowie Mut und Kraft alle eure Pläne zu verwirklichen und Ziele zu erreichen!
Liebe Grueβe aus dem sehr sonnigen und schön warmen Bukoba
Nadine
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