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Ab jetzt auch "Teacher Nadine"

Autor: Nadine | Datum: 18 November 2011, 09:38 | 1 Kommentare

Anfang November habe ich meine Karriere als Teilzeit-Lehrerin an der Kibeta English Medium Primary School (KEMPS) gestartet. Jeden Dienstag und Donnerstag unterrichte ich dort jetzt Vocational Skills, eine Mischung aus Kunst und Musik sowie Sport. Die anderen Tage der Woche bin ich weiterhin bei HUYAWA.

Am Anfang habe ich den anderen Lehrern viel beim Unterrichten zugeschaut. Dann hieβ es: „Nadine, was kannst du dir denn vorstellen zu machen?“ Da ich ja eine Gitarre mit nach Tansania genommen habe, war fuer unsere Mentorin Joyce, die auch die Schulleiterin ist, klar, dass ich auf jeden Fall etwas mit Musik machen sollte. Da sich das Schuljahr langsam dem Ende neigt (in Tansania beginnt ein neues Schuljahr Anfang Januar), eine Lehrerin gerade ein Kind bekommen hat und sie Bedarf im Fach Vocational Skills haben, bin ich eingesprungen. Ich unterrichte in der Pre-school (das ist so eine Art Vorschule, wo die Kinder aber auch schon Lesen, Schreiben und Rechnen lernen), in Standard I und Standard II, also ungefähr der ersten und zweiten Klasse.

Ich sollte dann mit den fuer die jeweiligen Klassen zuständigen Lehrern absprechen, zu welcher Zeit ich Stunden uebernehmen kann. Ich dachte zuerst, die Lehrer wären vielleicht skeptisch, dass ich, ungelernte, die gerade selbst aus der Schule kommt, plötzlich unterrichten will. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Die Lehrer waren total begeistert, dass ich ihnen helfen möchte. Sie haben immer wieder gesagt „Karibu sana“ und „You are welcome, teacher“. Ja, „Teacher Nadine“ das ist jetzt meine neue Anrede.

KEMPS ist eine englischsprachige Schule und befindet sich in Trägerschaft der Nordwest-Diözese der ELCT. Die Kinder, die in die Pre-school kommen, können vorher häufig noch kein Wort Englisch. Ich muss also versuchen, alles immer sehr einfach und deutlich zu formulieren, damit sie mich verstehen. Manchmal kommen die ganz Kleinen zu mir und sagen mir stolz ein Wort auf Kiswahili und dann auf Englisch, damit ich sehe, wie viel sie schon gelern haben.

Die Lehrer haben mir versichert, wie sehr die Kinder Singen und Malen lieben. Vor meiner ersten Unterrichtsstunde war ich schon ziemlich aufgeregt, danach aber total gluecklich, weil es wirklich super geklappt hat. Ich habe die Kinder mit meiner Gitarre beeindruckt. Vorher hatte ich den Jungschar-Klassiker „Wenn der Sturm weht“ mal eben schnell auf Englisch in „When the storm blows“ umgewandelt. Die Kinder waren begeistert. Zu dem Lied macht man verschiedene Bewegungen, die ich ihnen auch beigebracht habe. Wenn wir das Lied nun singen, macht die Hälfte der Kinder allerdings nicht die Bewegungen fuer den Sturm, sondern sie tun so, als ob sie auch Gitarre spielen wuerden. Dabei singen sie aus Leibeskräften. Dann hatte ich ihnen erzählt, dass ich sie besser kennen lernen möchte und sie dazu ein Namensschild basteln, worauf sie ihren Namen schreiben und ihr liebstes Hobby malen sollten. Die Hälfte der Kinder hat natuerlich eine Gitarre darauf gemalt.

Auch als sie sich letzte Woche selber malen sollten, hatte ein Groβteil eine Gitarre im Arm.

Die Kinder sind wirklich unglaublich niedlich. Am Anfang der Stunde singen wir immer. Wenn wir danach etwas anderes machen, höre ich immer aus verschiedenen Ecken Kinder die Lieder summen oder singen. Auch werde ich ständig gefragt „Teacher, when do you come to teach us?“ Ist das nicht unglaublich? Ich habe meine Lehrer nie gefragt, wann sie endlich kommen, um mich zu unterrichten. Gerade Dienstag war ich erst in Standard I und anschlieβend in der Pre-school. Als ich aus dem Raum herauskam, kamen schon drei oder vier Schueler aus Standard I angelaufen, um mich zu fragen „Teacher, when do you come to teach us?“ Da musste ich ihnen dann erklären, dass ich leider erst Donnerstag wiederkomme.

Die Schueler in Standard II beeindrucken mich mit ihrer Disziplin. Wenn ich mit ihnen singe, singt wirklich jeder mit und jeder singt schön. Jeder macht die Bewegungen, echt toll. Mit ihnen habe ich mit Hieroglyphen geheime Botschaften geschrieben. Sie sollten dann ihrem Sitznachbarn einen Brief in Geheimschrift schreiben. Ein Kind hat keinen Sitznachbarn. Da habe ich dann gesagt, sie soll mir einen Brief schreiben. Natuerlich hat die Hälfte der Klasse einen Brief fuer mich geschrieben und ich musste dann die Geheimschrift entziffern. Ein Brief lautete wie folgt: Thank you teacher for teaching us and God bless you! Dazu brauche ich wohl nichts weiter zu sagen.

Das Unterrichten bringt jetzt natuerlich neue Herausforderungen fuer mich mit sich. Die Stunden muessen ja auch vorbereitet werden. Dabei ist meine Kreativität gefragt. Ihr seht also, dass meine Arbeit und meine Aufgaben hier sehr vielfältig sind. Ueber zu wenig Abwechslung kann ich mich wirklich nicht beschweren. Es gefällt mir ausgesprochen gut und ich freue mich sehr, hier zu sein.

 

Der "Siku ya usafi" und sein Hintergrund

Autor: Nadine | Datum: 20 Oktober 2011, 20:15 | 0 Kommentare

Nun habe ich auf diesem Wege schon länger nichts mehr von mir hören lassen, was nicht heißen soll, das es nichts zu berichten gäbe oder es mir nicht gut ginge. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel erlebt und gut geht es mir auch!

Ich merke zurzeit, dass ich hier in Tansania immer selbstständiger werde. Die Chormitglieder haben mich gebeten, Fotos zu entwickeln. Kein Problem! Ich gehe zum Kagera Photo Studio, gebe die Bilder in Auftrag und hole sie am nächsten Tag wieder ab. Auch gehe ich jetzt ohne Lilian einkaufen und der Ladenbesitzer, bei dem ich nun schon öfter war, freut sich immer sehr, mich zu sehen. Er betont immer wieder wie gut mein Kiswahili ist, was natürlich nicht stimmt. Seit meiner Ankunft ist es zwar etwas besser geworden, aber gut ist es noch lange nicht. Mittlerweile weiß ich allerdings, wenn ich kein Wort verstehe, dann unterhalten sich die Leute auf Kihaya. Das ist die Sprache der Menschen, die hier in der Region um Bukoba leben. Alle können Kiswahili, aber je nach Region kommt immer noch eine regionale Sprache hinzu. Mir werden jetzt auch immer mehr Wörter auf Kihaya beigebracht, sodass ich zumindest die Begrüßungsformeln erkenne.

Im Chor lernen wir momentan neue Lieder. Dazu kommt extra ein Lehrer. Er ist sehr anspruchsvoll, aber es macht wirklich unglaublich viel Spaß. Ich habe jetzt die Texte aufgeschrieben und kann lautstark mitsingen. Ich singe in der „sauti ya pili“, der zweiten Stimme. Ich finde, es hört sich sehr gut an, wenn wir, nachdem alle ihre Stimmen geübt haben, dann ein Lied vierstimmig singen.

Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, genieße ich es immer noch sehr, Menschen zu treffen und kurz mit ihnen zu reden. Irgendwen trifft man ja immer. Auch hupt öfter mal ein Auto und irgendjemand winkt. Oder das Auto bleibt stehen, die Scheibe wird heruntergekurbelt und jemand ruft „Nadine, unaomba lifti?“. Das heißt so viel wie „Willst du mitgenommen werden?“ Meistens schlage ich das Angebot nicht aus. Ja, von den Leuten, die einen mittlerweile kennen, werde ich bei meinem Namen gerufen. Ansonsten habe ich von „Dada“, „Madam“, „Miss“, „Mama“ über „Ey Sista“ bis hin zu „Hey Baby“ und „I love you so much“ schon alles gehört. Am häufigsten höre ich allerdings das Wort „Mzungu“ (Weiße). Es stimmt ja auch, aber manchmal ist es doch etwas nervig immer so gerufen zu werden. Ich glaube aber, ich gewöhne mich langsam daran.

In Bukoba, besonders bei der ELCT (Evangelical Lutheran Church of Tanzania) war in den letzten Tagen viel los. Alles fing am letzten Donnerstag an, denn es stand der schon lange vorher angekündigte „Siku ya usafi“ oder auch das „community cleaning“ an. Alle Mitarbeiter der ELCT mussten sauber machen. Dafür wurde extra ein Plan ausgearbeitet, welches Department was zu tun hat. Wir von HUYAWA sollten das Büro und den Garten um das Bürohaus herum sauber machen. Zusätzlich wurde uns aufgetragen, die Straße, welche vom Hauptbüro der ELCT zum HUYAWA-Büro führt, zu reinigen. Also haben sich alle Mitarbeiter zu der vereinbarten Zeit (14.00 Uhr) vor dem Büro getroffen und losgelegt. Mit Plastikhandschuhen, Schubkarre, Besen und Sense zum Rasenmähen ausgestattet ging es an die Arbeit. Die Straße ist keine Teerstraße und da viel Müll einfach so fallen gelassen wird, hatten wir entsprechend viel zu tun. Ich wurde gefragt, wer denn in Deutschland die Straßen reinigt. Ja, habe ich geantwortet, da gibt es Menschen, die bei der Kommune, Gemeinde oder Stadt beschäftigt sind und die für die Sauberkeit auf den Straßen und Grünanlagen der Stadt verantwortlich sind. So etwas gibt es in Tansania nicht und deshalb haben wir das gemacht.

Grund für das „community cleaning“ war allerdings ein besonderes Meeting, das in diesen Tagen hier in Bukoba stattgefunden hat. Die ELCT mit ihren 20 Diözesen (das sind bei uns z. B. die Evangelische Kirche von Westfalen) hat eine Partnerschaft mit 13 Kirchen und Missionsgesellschaften in Dänemark, Schweden, den USA und Deutschland. Zusammen bilden sie die LMC (Lutheran Mission Cooperation). Die LMC hat hier in Bukoba eine Konferenz (Rund Table) abgehalten. Dazu sind alle Bischöfe der Diözesen und die Verantwortlichen der Kirchen und Missionsgesellschaften aus dem Ausland gekommen. Alle waren sehr stolz, dass sie Bukoba für diese Konferenz ausgesucht hatten und alle wollten gute Gastgeber sein. Gestern Abend gab es dann eine Abschlussveranstaltung, zu der ich auch eine Einladung vom Bischof bekommen habe. Eine Ehre! Es stellte sich heraus, dass alles, was in Bukoba Rang und Namen hat, gestern im ELCT Bukoba Hotel versammelt war. Jemand meinte scherzhaft, wenn hier heute einer das Wort „Mchungaji“ (Pastor) sagt, dann drehen sich 200 Leute um. Es waren nicht ganz 200, aber gefühlt schon. Als Volontärin der VEM musste ich mich natürlich auch vor allen vorstellen. Das habe ich dann wie meine Vorredner auf Englisch gemacht. Dann meinte Bischof Buberwa allerdings, dass ich jetzt das Ganze noch mal auf Kiswahili machen sollte. Ich habe dann wieder meine Standardsätze abgespult und damit alle glücklich gemacht. „Sie ist erst zwei Monate hier und kann schon so gut Kiswahili sprechen.“ Wie ich bereits am Anfang geschrieben habe, mein Kiswahili ist wirklich noch nicht besonders gut. Naja, wie dem auch sei, ich werde weiter daran arbeiten. Bis zum nächsten Mal und ganz liebe Grüße aus Bukoba!

Nadine

 

Rote Erde, weites Land

Autor: Nadine | Datum: 25 September 2011, 17:28 | 1 Kommentare

Die Stadt Bukoba ist eine andere Welt als alles, was man so in Deutschland kennt. Aber der Weg in die Dörfer und die Lebenssituation dort ist noch mal eine ganz andere. Ich konnte es mir im Vorfeld nicht vorstellen, dass Menschen in Lehmhütten mit Strohdach, ohne Strom und fließendes Wasser leben, aber nun weiß ich es besser...

Drei Mal war ich jetzt schon mit den Leuten von HUYAWA zusammen unterwegs aus der Stadt heraus in die Dörfer. Und jedes Mal ist es ein Eintauchen in eine andere Welt! Irgendwann geht es von der geteerten Straße ab auf die rote Schotterpiste. Normalerweise kann ich das Autofahren ja gut vertragen, aber auf diesen Wegen muss ich echt aufpassen, dass mir nicht schlecht wird. Es geht mit Vollgas los und bei größeren Schlaglöchern wird mal abgebremst. Und so geht dann der Weg die Hügel hinauf und hinunter. Es ist eigentlich wie Achterbahn fahren und macht auch irgendwie Spaß. Man sieht so unglaublich viel von diesem schönen Land. Mir kam so in den Sinn, dass der Titel "Rote Erde, weites Land", wie vielleicht auch ein kitschiger Afrika-Roman heißen könnte, wirklich ein passender Titel für die Landschaft hier ist.

Am Freitag sind einige Mitarbeiter von HUYAWA und ich nach Ruhunga gefahren. Dort waren wir zur Send off-Party der Tochter eines Kollegen eingeladen. Dies war nun schon die zweite Send off-Party, die ich hier in Tansania besuchen durfte. Hochzeiten werden einfach ganz groß gefeiert. Die Send off-Party findet ein oder zwei Tage vor der eigentlichen Hochzeit statt und wird von den Eltern der Braut veranstaltet. Sie wollen ihre Tochter mit dieser Feier in die Hände des Bräutigams übergeben und sie von zu Hause verabschieden.

In Ruhunga angekommen, ist schon von weitem laute Musik zu hören und vor dem Haus von Bwana Barongo sitzen schon viele Gäste unter gespannten Planen. Der DJ lässt aus überdimensional großen Boxen Musik ertönen - umso lauter, desto besser. Normalerweise sitzt man auf frisch getrocknetem Gras auf der Erde, aber besondere Gäste sitzen wohl auf Stühlen. Für mich, den Mzungu (Weiße), wird sofort auch ein Stuhl geholt. Obwohl ich versichere, dass ich kein Problem damit habe, auf der Erde zu sitzen, soll ich auf dem Stuhl Platz nehmen. Seit wir angekommen sind, werde ich von gefühlten 500 Augenpaaren angestarrt. Die Kinder rufen "Mzungu, Mzungu!" Als einzige Weiße fällt man eben auf. Jeder Schritt und Tritt wird beobachtet.

In Etappen werden die Gäste ins Haus gebeten, um dort zu essen. Es gibt Wali (gekochter Reis), Matoke (Kochbananen), Nyama (Fleisch) und Soda (Fanta oder Cola). Der Vater der Braut, Bwana Barongo, macht einen unheimlich stolzen Eindruck, die Gäste in seinem Haus begrüßen zu können. "Karibu nyumbani", sagt er zu mir. "Willkommen in meinem Haus."

Nachdem alle gegessen haben, wird auf die Ankunft der Braut gewartet. Der Bräutigam ist mittlerweile da. Er hat sich zu seinen Verwandten gesetzt. Dann zieht die Mutter der Braut mit passender Musik gemeinsam mit ihren Freundinnen und Verwandten ein und nimmt Platz. Anschließend kommen die Freundinnen der Braut (sie tragen alle die gleichen Kleider). Orange und Blau sind die Farben der Hochzeit. Alles ist mit Tüchern in diesen Farben dekoriert. Der Bräutigam trägt ein oranges Hemd und als die Braut endlich erscheint, trägt sie natürlich auch ein oranges Kleid. Gemeinsam mit einer Freundin zieht sie durch die Reihen der Gäste und hält Ausschau nach ihrem zukünftigen Ehemann. Als sie ihn gefunden hat, kniet sie vor ihm nieder und zusammen ziehen sie dann nach vorne, wo auf einem Podest Stühle für das Brautpaar aufgebaut sind. Besonders ist, dass die Braut und die Freundin der Braut auf diesen Stühlen Platz nehmen, während der Bräutigam etwas abseits sitzt. Er wird dann erst bei der Hochzeitsfeier neben der Braut sitzen.

Die ganze Zeremonie wird von einem Moderator kommentiert, der lautstark in das Mikrofon schreit. Nachdem alle Gäste begrüßt wurden, übergibt die Braut an die eigenen Eltern und die zukünftigen Schwiegereltern sowie besondere Gäste einen Kuchen. Anschließend wird sie von ihrer Mutter mit nützlichen Gegenständen für den eigenen Haushalt beschenkt. Dazu kniet sie vor der eigenen Familie nieder und die Mutter packt aus Koffern alles aus, was man sich so vorstellen kann: Gläser, Tassen, Teller, Tücher, Bettwäsche, Handtücher und vieles mehr.

Danach übergeben die anderen Gäste ihre Geschenke. Wir von HUYAWA gehen dazu alle nach vorne, überreichen das Präsent und schütteln der Braut die Hand. Währenddessen spricht Pastor Mbuga einige Glückwünsche zu der Familie und der Braut.

Danach machen wir uns auf den Rückweg nach Bukoba, weg aus den Dörfern, zurück in die Stadt, in eine, wie ich finde, ganz andere Welt!

 

Smalltalk an jeder Ecke

Autor: Nadine | Datum: 17 September 2011, 18:55 | 0 Kommentare

Jetzt bin gerade frisch geduscht, habe lecker gegessen und nehme mir nun endlich wieder Zeit, etwas auf meinen Blog zu schreiben. Ich bin hier einfach immer so beschäftigt, erlebe so viele neue Dinge, habe jeden Tag so viele neue Eindrücke, treffe nette Menschen und falle abends einfach nur todmüde ins Bett.

Heute hat mich Charlotte besucht. Sie ist heute morgen mit dem Daladala (kleiner, fast immer maßlos überfüllter Bus) aus Ntoma gekommen. Wir hatten uns beide vorgenommen, heute einige Dinge in der Stadt in Bukoba zu erledigen. Also haben wir uns zusammen mit Lilian auf den Weg gemacht. Heute war der heißteste Tag seit wir in Tansania sind und ich habe nun auch einen leichten Sonnenbrand am Hals. Wir sind den Weg vom Kashura Women Centre, in dem ich zusammen mit Lilian wohne, den Berg hinunter in die Stadt gegangen. Als erstes wollte Charlotte sich auch ein Modem kaufen. Schon auf dem Weg zum Vodacom-Shop haben wir Sarah getroffen. Sie kommt aus Dänemark und arbeitet seit letzter Woche als Lehrerin an der Mogesa Primary School in Bukoba. Wir hatten sie letzte Woche schon kennengelernt, weil sie anfangs nicht weit von mir entfernt, gewohnt hat. Also haben wir erst Mal mit ihr über ihre Erlebnisse in der letzten Woche gesprochen, bevor wir dann weiter zur Bank gegangen sind, wo Charlotte Geld abheben wollte. Dort treffen wir natürlich gleich Lena, eine Arbeitskollegin von mir bei HUYAWA. Mit ihr wird auch der typische Smalltalk "Habari za asubuhi?" (Was gibt´s heute morgen für Neuigkeiten?), "Habari za Kashura?" und "Habari za nyumbani?" (Wie sind die Neuigkeiten von zu Hause?) ausgetauscht, bevor es weitergeht und wir Fortinatus in die Arme laufen. Er ist auch Mitglied im Kwaya ya vijana (Jugendchor), in dem ich ja nun auch mitmache und letztes Wochenende mein Debüt auf einer Hochzeit und im Gottesdienst gegeben habe. Mit ihm plaudern wir auch kurz. Als wir weitergehen, sehen wir auf der anderen Straßenseite Bwana Kishula. Mit ihm teile ich mir bei HUYAWA ein Büro. Er wird natürlich auch gebührend begrüßt. Und so trifft man eigentlich ständig Leute auf der Straße. Das tolle daran finde ich, dass man immer stehen bleibt und sich kurz unterhält, die neuesten Neuigkeiten austauscht und nach dem Befinden fragt, bevor man weitergeht. Ich bin ja Gast der ELCT (Evangelical Lutheran Church of Tanzania) und ich habe das Gefühl, dass alle Mitarbeiter der ELCT wie eine große Familie sind. Man kennt sich untereinander und man kennt mich, die neue Volontärin, mittlerweile auch. Jeder hat immer ein nettes Wort übrig und viel wird sich auch nach dem Befinden der Familie zu Hause erkundigt.

Mein Anliegen in der Stadt war heute, mir einen schwarzen Rock zu kaufen, damit ich das passende Choroutfit habe. Hier trägt man nämlich bei Auftritten eine weiße Bluse und einen schwarzen Rock. Bei einem Stand am Straßenrand haben wir einige Röcke gesehen. Daraufhin ist Lilian gleich hingegangen und hat etwas passendes für mich rausgesucht. Dann ging es ans Anprobieren. Hinter einem eigentlich durchsichtigen Vorhang habe ich mich mit zwei anderen Frauen, die auch gerade etwas anprobiert haben, hingestellt und habe die Röcke angezogen. Schnell war ein passender gefunden. 5000 tansanische Schilling habe ich dafür bezahlt. Das sind umgerechnet nicht mal 2 Euro und der Rock ist wirklich schön.

Weiter ging es auf den Markt. Ich wollte gern eine Tasche haben, damit ich nicht länger mit meinem Stoffbeutel vom Weltfrauengebetstag durch die Gegend laufen muss. Ich hatte da letzte Woche auch schon ganz schöne Taschen gesehen. Lilian meinte aber zu mir, dass ich doch einfach Stoff kaufen und dann bei ihrer Freundin auf dem Markt schneidern lassen könnte. Gesagt, getan. Ich habe mir einen schönen Stoff ausgesucht und wir sind zur Schneiderin. Der habe ich meine Vorstellungen von der Tasche aufgemalt. Der Stoff reicht nun auch noch für eine Tasche für Charlotte und einen Rock für mich. Ich bin gespannt, was daraus wird und werde dann davon berichten.

Heute Abend hatte ich dann wieder Chorprobe und morgen treten wir wieder im Gottesdienst hier in der Kirche in Kashura auf.

Ja und auf morgen Nachmittag freue ich mich schon besonders. Wir werden ins Stadion zum Fußball gehen. Der hier beheimatete Fußballclub Kagera Sugar spielt gegen Simba SC aus Dar es Salaam. Das ist ein absolutes Highlight und ein Topspiel in der tansanischen Vodacom Premier League. Vermutlich wird man wieder viele bekannte Gesichter sehen und nette Leute treffen.

Ich versuche jetzt auch noch ein paar Bilder auf den Blog zu stellen, damit ihr seht, wie wunderschön es hier am Viktoriasee ist. Vielleicht seid ihr ja auch ein bisschen neidisch. Es ist nämlich einfach unglaublich toll hier.

Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal. Ich freue mich übrigens immer noch sehr über Kommentare, E-mails, Briefe etc. Ich werde auch alles beantworten, aber seid mir nicht böse, wenn es ein paar Tage dauert...

 

Ein erstes Lebenszeichen aus Bukoba

Autor: Nadine | Datum: 06 September 2011, 09:02 | 10 Kommentare

Langsam wird es Zeit, dass ich auch mal etwas auf meinen Blog schreibe;)

Zu erst einmal: mir geht es gut!!! Ich bin sehr herzlich hier in Bukoba aufgenommen worden und gerade dabei mich einzugewoehnen. Der Flug, die Ankunft in Dar es Salaam, die weiteren Fluege nach Mwanza und schliesslich der ueber den Viktoriasee nach Bukoba haben alle reibunsglos geklappt. Alle begruessen einen hier so freundlich mit einem herzlichen "Karibu sana".

Ich wurde auch gleich in den Jugendchor in Kashura, dem Ort, der jetzt fuer ein Jahr mein neues Zuhause ist, eingeladen. Dort koennen alle so super singen und tanzen, dass ich wirklich neidisch bin. Ich muss noch viel ueben und beschraenke mich zur Zeit darauf, einigermassen bei den Bewegungen mitzukommen. Aber ich bin ganz optimistisch, denn Lilian, meine Mitbewohnerin, sagt immer: "Don't worry. You will make it!"

Nun will ich euch von meinem ersten Sonntag in Bukoba berichten. Um 10.00 Uhr sind Lilian und ich zur Kashura Church zum Gottesdienst gegangen. Ich war erstaunt, wie viele Kinder und Jugendliche in dem Gottesdienst waren. Aeltere Menschen waren nur sehr wenige dort. Lilian hat mir dazu erklaert, dass die Aelteren eher zum ersten Gottesdienst am Sonntag gehen, der um 7.30 Uhr stattfindet. Ich habe leider nur einzelne Woerter verstanden, aber Lilian hat mir bei der Predigt die wichtigsten Dinge uebersetzt. Zwischendurch haben neben dem Jugendchor auch noch andere Choere gesungen. Dabei kommt dann echt Stimmung auf, wenn sich alle so toll zu der Musik bewegen. Der Gottesdienst hat ungefaehr zwei Stunden gedauert. Anschliessend haben Lilian und ich Mittag gekocht. Dabei hat Lilian mir beigebracht, wie man Kochbananen (matoke) schaelt. Diese Kochbananen sehen eigentlich so aus wie die Bananen, die wir auch in Deutschland kennen, aber man kann sie nicht einfach so abpellen, sondern braucht schon ein Messer, um die Schale zu entfernen. Danach hat man ziemlich schmutzige Haende, die man dann gruendlich waschen muss. Ich war ziemlich stolz auf unser zubereitetes Mahl, meine ersten selbst geschaelten Kochbananen!

Zum Essen haben wir noch Besuch von Abella bekommen. Sie ist eine Freundin von Lilian. Beide haben mich gefragt, ob ich auch mit zu Agnetas Kitchen Party kommen moechte. Die hat naemlich Sonntag Nachmittag stattgefunden. Agneta ist eine Leiterin des Jugendchores und sie wird am Wochenende heiraten. Die Hochzeitszeremonie ist eine grosse Sache in Tansania. Alles beginnt mit der Kitchen Party. Hierzu sind nur Frauen eingeladen. Auf der Wiese gegenueber der Kirche ist alles aufgebaut. Nach und nach treffen alle Frauen ein und warten auf Agnetas Ankunft. Dabei ertoent aus grossen Boxen Kihaya-Musik. Als Agneta schliesslich kommt, stehen alle auf, applaudieren und tanzen. Dann schneidet Agneta einen Kuchen an und alle bekommen ein Stueckchen. Dazu gibt es entweder Cola oder Fanta. Agneta hat einen besonders schoen geschmueckten Sitzplatz. Nun wird vorgelesen, was eine gute Ehefrau alles koennen muss und was sie nicht tun darf. Zwischendurch bilden alle Frauen einen Kreis und tanzen um Agneta herum. Anschliessend muss Agneta beweisen, dass sie ihrem zukuenftigen Ehemann ein gutes Essen zubereiten kann. Danach bekommt ihre Mutter das Mikrofon. Auch sie gibt ihrer Tochter gute Wuensche mit auf den Weg. Dann werden zwei grosse Koffer nach vorne getragen. Darin befinden sich Geschenke von Agnetas Mutter an ihre Tochter. Alles Dinge, die sie fuer ihren neuen Haushalt braucht, von Toepfen, ueber Decken, Bettwaesche und einem Buegeleisen ist alles dabei. Anschliessend nimmt jede anwesende Frau ihr mitgebrachtes Geschenk in die Hand und tanzt damit nach vorne, um es Agneta zu ueberreichen. Sie bekommt Glaeser, Teller, Stoffe und sogar Unterwaesche. Am Ende bedankt Agneta sich bei allen Anwesenden und laedt zu ihrer Send off Party am Freitag ein.

Diese Kitchen Party fand ich schon sehr beeindruckend. Ich fand es toll, dass ich dabei sein durfte. Alle waren super drauf und haben eine gute Stimmung verbreitet.

Ich muss noch sehr stark an meinem Kiswahili arbeiten. Das macht mir zur Zeit etwas Sorge, denn ich verstehe nur einzelne Woerter und ich komme mir oft ziemlich doof vor, wenn ich sagen muss: "Sielewi" (ich verstehe nicht). Wenn ich die Sprache besser kann, dann wird die Kommunikation vor allem mit den Jugendlichen im Chor und meinen Kollegen bei HUYAWA deutlich einfacher. Naja, ich werd mein bestes geben und hoffen, dass es bald besser klappt...

Zum Schluss noch meine neue Adresse: 

Nadine Segadlo

ELCT/NWD

P.O.Box 98, Bukoba

Tanzania

Wer Lust hat, kann mir ja mal schreiben!!!

 

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