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"Wir gehen jetzt Haare kaufen!"

Autor: Nadine | Datum: 19 März 2012, 07:39 | 2 Kommentare

Hört sich erst mal lustig an. Fand ich auch, als Lilian und ich auf dem Weg in die Stadt waren und gefragt wurden, was wir denn da wollen. Der Grund, warum wir uns aufgemacht hatten, um kuenstliche Haare zu kaufen, war, dass ich meine Haare zu Rastas flechten lassen wollte. Lilian hatte mir einen Termin im Salon besorgt und da geht man eben mit vorher gekaufen Haaren hin, um sie in die eigenen flechten zu lassen. Da alle Tansanier fast ausnahmslos schwarze Haare haben, gibt es also auch fast nur solche zu kaufen. Man muss sich dann durch das Angebot an Haaren durchwuehlen. Auβer schwarz gibt es noch rötiche oder blonde Haare. Also habe ich mich fuer die blonden entschieden, weil die noch am ehesten zu meiner Haarfarbe passen. Eine Tansanierin kauft wohl gewöhnlich drei Packungen Haare, wenn sie sich Rastas flechten lässt. Also haben wir das auch gemacht. Im Salon meinten sie dann aber sofort, dass das nicht ausreichen wuerde. Ich bräuchte noch zwei Packungen mehr. Dann ging es morgens um 8.30 Uhr los. Zu  zweit haben sie sich daran gemacht, meine Haare zu flechten, eine hat vorne angefangen, eine andere hinten. Zwischenzeitlich waren sogar mal drei am Werk, weil man ja unbedingt mal ausprobieren muss, wie sich so die Haare der Weiβen flechten lassen. Nach einiger Zeit hieβ es dann, dass die fuenf Packungen Haare immer noch nicht ausreichen wuerden. Wir bräuchten noch zwei mehr. Also ist eine Frisösin losgegangen, um mehr Haare zu kaufen, und die andere hat weitergeflochten.

 

Nach viereinhalb Stunden flechten und sechseinhalb Packungen kuenstlichen Haaren war es dann vollbracht: ich bin erblondet und habe eine Haarverlängerung der etwas anderen Art.

Ich muss sagen, dass die ganze Prozedur auch nicht ganz schmerzfrei war, aber wie heiβt es doch: wer schön sein will, muss leiden!

Die vielen Haare und der jetzt entstandene dicke Zopf waren anfangs ein ganz ordentliches Gewicht, welches einem den Kopf etwas nach hinten zieht. Aber so wie man sich an alles gewöhnt, habe ich mich auch daran mittlerweile schon gewöhnt. Jetzt sind mir noch mehr Komplimente sicher, wenn ich unterwegs bin. Man bekommt hier nämlich ständig gesagt, wie gut man aussieht, wie schön das neue Kleid ist, dass ich mir hab schneidern lassen oder die Ohrringe, die ich mir in Nairobi gekauft habe. Nun kommen noch die Haare dazu, von denen jeder sagt, wie toll sie mir stehen. Ich muss auch sagen, dass es mir jeden Tag besser gefällt, wenn ich in den Spiegel gucke. Anfangs dachte ich nämlich, wer ist das? Darauf habe ich auch schon eine Antwort bekommen: Lilians Kommentar zu meiner neuen Frisur: „Nadini mpya – die neue Nadine!“

 

Zwischenseminar, Safari und ein Besuch in den Usambara-Bergen - auf Reisen mit der Vierer-Kombo

Autor: Nadine | Datum: 19 März 2012, 07:30 | 0 Kommentare

Vom 20. bis 25. Februar hieβ es fϋr mich auf geht’s nach Kenia, auf geht’s nach Nairobi, auf geht’s zum Zwischenseminar! Da es von Bukoba bis nach Nairobi nicht gerade ein Katzensprung ist, sind Charlotte und ich erst mit dem Schiff ϋber Nacht von Bukoba nach Mwanza gefahren. Dort konnten wir dann einmal bei Lilians Schwester und ihrer Familie ϋbernachten, bevor wir in den Bus von Mwanza nach Nairobi gestiegen sind. Der sollte um 12.00 Uhr mittags abfahren und abends gegen 22.00 Uhr in Nairobi ankommen. Das kann mir schon sehr unrealistisch vor, betrachtet man mal die Entfernung auf der Karte. In Mwanza sind wir natϋrlich auch nicht um 12.00 Uhr abgefahren, an der Grenze musste auch erst mal jeder seine Papiere ausfϋllen, sodass wir letztendlich am nächsten Morgen um 6.00 Uhr in Nairobi angekommen sind.

Nairobi ist einfach nur riesig und ein bisschen hatte ich das Gefϋhl wieder in Europa zu sein. Wir waren in einem Supermarkt, in dem uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen sind. Von dem ganzen Angebot dort war ich ziemlich ϋberfordert. Guck mal, es gibt hier sogar Trink-Joghurt! Und so viele verschiedene Sorten Käse, Säfte aller Art, Chips, Sandwiches, Salat und noch vieles, vieles mehr! Da habe ich mir einmal einen richtig dicken Schoko-Muffin gegönnt, die Schoko-Bombe schlechthin.

Dann ging es auf zum Seminar. Das fand nicht in Nairobi-City statt, sondern in Brackenhurst, einem Tagungszentrum 40 Kilometer auβerhalb der Stadt. Als wir sechs Volontäre der VEM und noch sieben andere Volontäre einer anderen Organisation dort angekommen sind, haben wir uns gefragt, wo sind wir denn jetzt gelandet? Eine riesige, super gepflegte Anlage mit komfortablen Unterkϋnften, heiβer Dusche, netten Tagungsräumen bzw. Häusern und groβen Grϋnflächen hat uns erwartet. Als es dann zum Essen ging, ging das Staunen weiter: ein riesiges Buffet mit den verschiedensten Sachen. Bei Geschmack konnte es sogar eine Vorsuppe sein, ein tolles Salatbuffet und zum Nachtisch Eis oder Kuchen. Dort wurden wir wirklich total verwöhnt, was fϋr meinen Geschmack etwas zu viel war. Morgens Frϋhstϋck und um 10.00 Uhr schon wieder Tee, Kaffee oder Kakao zusammen mit Muffins, Streuselschnecken oder ähnlichem. Dann Mittagessen und um 16.00 Uhr wieder Tee, Kaffee oder Kakao mit Keksen, bevor es dann abends wieder Abendessen gab.

Wir haben in dieser Zeit aber nicht nur gegessen und uns wie in Deutschland gefϋhlt, sondern auch ein tolles Seminar zusammen verbracht. Es war schön, auf das letzte halbe Jahr zurϋckzublicken und dabei zu sehen, was man schon alles geschafft und welche Herausforderungen man gemeistert hat. Auch war es interessant mal die Neuigkeiten aus Deutschland zu hören und einen Nachmittag in Zeitungen oder Magazinen davon zu lesen. Auch der Ausblick auf das nächste halbe Jahr hat mir gezeigt, welche tollen Sachen mich noch erwarten und welche Herausforderungen auf mich zu kommen, wenn ich nach Deutschland zurϋck komme. Auch aus den vielen Inputs in Form von Andachten, Spielen oder ähnlichem habe ich viel fϋr mich selbst mitgenommen. Besonders schön war der Austausch mit den anderen Freiwilligen. Sehr gut fand ich, dass das Seminar nicht mit ϋbermäβig vielen Programmpunkten vollgestopft war, sondern, dass wir viel Zeit hatten uns zu unterhalten, gemeinsam Volleyball zu spielen und einfach mal ϋber die eigene Situation und das, was nach diesem Jahr kommt, nachzudenken.

 

Nach dem Zwischenseminar haben wir vier Tansania-Freiwillige dann zusammen eine dreitägige Safari gemacht. Das war wirklich unglaublich toll, eines der besten Sachen, die ich je gemacht habe.

Dazu sind wir von Nairobi nach Arusha gefahren. Von dort ging dann die Safari los. Am ersten Tag waren wir im Lake Manyara Nationalpark. Alles fing perfekt an. Schon vor dem Eingang in den Park haben wir am Wegesrand die ersten Giraffen gesehen. Im Park gab es dann noch viel, viel mehr anzugucken, von Elefanten, ϋber Zebras, Affen, Flamingos, Gnus bis hin zu Löwenweibchen, die plözlich im Gebϋsch neben uns brϋllten. Am zweiten Tag der Safari waren wir im Ngorongoro-Krater, ein unbeschreiblich schönes Fleckchen Erde. Dort haben wir dann nicht nur ein Rhinozeros, Wasserbϋffel und Nilpferde gesehen, sondern wurden auch Zeugen einer Jagd von zehn Löwenweibchen auf eine Herde von Bϋffeln, bei der sich die Löwen dann den kleinsten Bϋffel geschnappt und ihn dann zusammen verspeist haben. Auch haben wir einen männlichen Löwen gesehen, der sich nach seine Mahlzeit, die Reste des halb verspeisten Tieres lagen neben ihm, genϋsslich in der Sonne ausgeruht hat.

Am dritten Tag hat uns unsere Safari dann in den Tarangire Nationalpark gefϋhrt. Dort gab es sehr viele Elefanten, Strauβen, Zebras und auch Giraffen zu sehen.

Wir waren also auf unserer Safari sehr erfolgreich, haben wir doch nahezu alle Tiere gesehen, auβer den Leopard. Das heiβt, Jonas hat einen gesehen, wie er vor uns ϋber die Straβe gerannt ist, aber wir Mädchen haben in diesem Moment in eine andere Richtung geguckt... das war Pech.

Aber nicht nur die vielen Tiere waren beeindruckend, auch die Landschaft ist einfach unglaublich schön. Wir haben in einer sehr luxuriösen Lodge ϋbernachtet und wenn man dann noch mit den richtigen Leuten unterwegs ist ... Jonas, Carina, Charlotte und ich hatten einfach unglaublich viel Spaβ und eine tolle Zeit zusammen. Dafϋr danke ich euch sehr, jamani!!!

 

Unsere gemeinsame Reise ging aber noch weiter: Charlotte und ich sind mit Jonas und Carina in die Usambara-Berge gefahren, um Jonas und Carina dort zu besuchen. Auch die Usambara-Berge, Lushoto, Magamba und Irente sind wunderschön. Es war toll,die Einsatzstellen von Jonas und Carina zu sehen und von ihnen herumgefϋhrt zu werden. Wir sind die Berge bis zum Irente View Point hinaufgestiegen, um dann eine wundervolle Aussicht auf die Umgebung zu haben. Auch waren wir ein bisschen shoppen in Lushoto und können uns jetzt aus neu gekauften Stoffen tolle Kleider, Röcke und Blusen nähen lassen.

Dann haben Charlotte und ich uns auf die zweieinhalbtägige Rϋckfahrt von Lushoto nach Bukoba gemacht. Zwei Mal mussten wir noch auf dem Weg ϋbernachten, bevor wir dann wieder zu Hause angekommen waren.

Es ist sehr schön gewesen, hier wieder anzukommen, von allen so herzlich willkommen geheiβen zu werden. Alle freuen sich mich wiederzusehen und ich freue mich weiterhin jeden Tag hier zu sein und darauf, noch weitere sechs Monate hier verbringen zu dϋrfen.

 

 

Wo findet eine tansanische Silvesterparty statt?

Autor: Nadine | Datum: 05 Januar 2012, 11:39 | 0 Kommentare

... in einem tansanischen Dorf natuerlich in der Kirche. Was passiert um Mitternacht? Alle fangen wie verrueckt an zu tanzen und zu jubeln. Und wer macht einfach mal ganz spontan bei einer Tanzvorfuehrung des Auf-das-neue-Jahr-Einstimmungsprogramms mit? Nadine.

Mein tansanisches Silvester begann mit einer Daladala-Fahrt von Bukoba nach Ilemera, einem kleinen Dorf ungefähr 80 Kilometer suedlich von Bukoba. Dorthin wurde ich von einer Arbeitskollegin zum Jahreswechsel eingeladen. Nach meiner Ankunft gab es natuerlich erst einmal etwas zu essen und danach wurde mir bei einem kleinen Rundgang das Dorf gezeigt. Anschlieβend begannen die Vorbereitungen fuer den letzten Abend des Jahres 2011. Es wurde gekocht.  Jeder hat geduscht und sich fertig gemacht, denn es sollte ja noch in die Kirche gehen. Vor dem Essen hatten sich dann alle im Wohnzimmer der Familie versammelt und es wurde sich „warm“ gemacht fuer den Silvesterabend. Einfach eine CD reingeschmissen und dann ging das Tanzen auch schon los. Ich hab nicht lange gezögert und auch gleich mitgemacht. Ein Sohn der Familie, einige Nachbarn und Freunde hatten nämlich so eine Art Choreografie einstudiert (ich hab gedacht, das ist eine Choreografie vom Chor). Durch ein bisschen Zugucken habe dann einfach versucht mitzumachen. Das fanden natuerlich alle ganz toll. Ziemlich schnell hatte ich die Jacke, zu der mir vorher geraten worden war, wieder ausgezogen.

Nach dem Essen, so ungefährt um 21.15 Uhr, sind wir dann zur Kirche gegangen. Dort war schon ordentlich was los. Mir wurde im Vorfeld erzählt, dass ein Konzert stattfindet. Das ist hier so Tradition. Man beendet gemeinsam das alte Jahr in der Kirche und startet gemeinsam in ein neues. Bei dem Konzert sind verschiedene Chöre aufgetreten und Einzelne haben etwas dargeboten. Zwischendurch hat der Pastor immer wieder, wie ein Rueckblick, die besonderen Momente im Gemeindeleben des vergangenen Jahres vorgelesen. So und so viele Kinder wurden getauft, so und so viele Kinder wurden konfirmiert. Dann war Besuch aus Schweden da und dann Besuch aus Deutschland. Man hat sozusagen die Höhepunkte noch einmal Revue passieren lassen. Anschlieβend wurden immer die nächsten Programmpunkte angekuendigt. Auf einmal hieβ es, jetzt kommt eine „Show“ und alle, mit denen ich im Wohnzimmer getanzt hatte, sind aufgestanden. „Nadine, du machst doch auch mit, oder?“ hieβ es dann. „Ja“, habe ich gedacht, „warum auch nicht.“ Wir haben uns also vorne, vor der ganzen Gemeinde aufgestellt und ein Raunen ging durch die Reihen „Mzungu, Mzungu“. Naja, und dann ging es auch schon los. Dann habe ich auch verstanden, dass das im Wohnzimmer sozusagen die Generalprobe war. Später kam dann der zweite Teil der Show. Dieses Mal kannte ich weder Lied noch Choreografie vorher, habe aber trotzdem mitgemacht. Es hat einfach unglaublich viel Spaβ gemacht! Immer, das war aber auch bei den anderen Darbietungen so, wenn den Zuschauern etwas besonders gut gefallen hat, wurde laut gejubelt. Menschen sind einfach aufgestanden und haben an ihrem Platz mitgetanzt. Die Stimmung war wirklich unglaublich.

Irgendwann wurde dann eine Uhr in der Nähe des Altars an die Wand gehängt. Das ist jetzt gemein zu sagen, aber das ist wohl der einzige Moment im ganzen Jahr, wo in einem Dorf auf die Zeit geachtet wird. Gegen 23.30 Uhr hat der Pastor dann mit einer kleinen Abendandacht das Jahr beendet. Dann wurde jedes Licht und jede Kerze ausgemacht. Anschlieβend hat er versucht, die Menschen zu Ruhe und Ordnung zu rufen. Er wollte, dass alle geduldig bis 0.00 Uhr warten (dann sollte wohl auch die Uhr klingeln), allerdings wurde es in den letzten fuenf Minuten vor Jahreswechsel immer lauter, sodass keiner weder die Uhr noch  den Pastor hören konnte. Als es dann endlich soweit war, schallte Musik aus allen Boxen, drauβen wurde in die Vuvuzelas getrötet, alle sind in lauten Jubel ausgebrochen, haben sich in den Armen gelegen oder einfach nur wie wild losgetanzt. Das war irgendwie unbeschreiblich, aber richtig cool!

Lange ging diese Feierei allerdings nicht. Nachdem man allen ein frohes neues Jahr gewuenscht hatte, war Aufbruchsstimmung. Alle haben sich langsam, aber immer noch laut trötend, jubelnd oder was auch immer auf den Heimweg gemacht. Wir haben dann noch gemuetlich zusammen gegesessen, Tee getrunken und Maandazi gegessen und sind dann irgendwann ins Bett gegangen.

Am nächsten Morgen ging es nämlich um 10.00 Uhr wieder zum Gottesdienst in die Kirche. Da wusste dann auch schon das ganze Dorf, dass ich am Abend vorher ordentlich bei der Show mitgetanzt hatte. Viele Leuten haben mich darauf angesprochen, aber sie fanden es wohl wirklich gut.

Nach dem Gottesdienst haben wir dann Mittag gegessen, uns etwas ausgeruht oder einfach nett unterhalten und sind abends noch etwas spazieren gegangen. Ilemera liegt nämlich auch sehr nah am See und so wurde mir noch ein Platz gezeigt, von dem aus man einen tollen Blick auf den See und die umliegende Landschaft hat.

Nicht nur, dass mir das tansanische Silvester super gefallen hat. Die Gastfreundschaft der Menschen ist einfach unbeschreiblich. Sie tun alles, damit man sich wirklich wohlfuehlt, sind unfassbar nett und geben von dem wenigen, das sie haben, noch so viel ab. Das ist echt beeindruckend!

 

Ich wuensche euch fuer das neue Jahr 2012 alles erdenklich Gute, Glueck, Gesundheit sowie Mut und Kraft alle eure Pläne zu verwirklichen und Ziele zu erreichen!

 

Liebe Grueβe aus dem sehr sonnigen und schön warmen Bukoba

 

Nadine

 

Advent und Weihnachten in Tansania

Autor: Nadine | Datum: 03 Januar 2012, 12:25 | 0 Kommentare

Nachdem die Adventszeit hier in Bukoba ohne das ganze Schmuecken (Adventskranz, Nussknacker, Lichterbogen), Vorbereiten (Weihnachtsgeschenke kaufen, Stollen backen, Weihnachtsessen planen) und den Stress, den das alles mit sich bringt, verstrichen ist, wurde es dann drei Tage vor Heilig Abend ernst.

In der Adventszeit standen andere Dinge im Vordergrund wie Tansanias Unabhängigkeit, die am 9. Dezember vor 50 Jahren erreicht wurde oder die Hochzeit von Mchungaji Elli, dem Pastor in Kashura.

In der täglichen Morgenandacht wurde jedoch immer darauf hingewiesen, dass wir auf die Ankunft Jesu warten. Das wurde auch in den Liedern, die wir gesungen haben, deutlich. Man könnte also sagen, es wurde sich auf die eigentliche Advents- und Weihnachtsbotschaft konzentriert: wir warten darauf, dass das Kind Jesus, unser aller Heiland, geboren wird!

Fuer mich ist diese Botschaft in der tansanischen Adventszeit besonders deutlich geworden und ich habe mich einmal mehr und dieses Mal sehr entschieden gefragt, ob der ganze Aufwand, den wir in Deutschland betreiben, wirklich gerechtfertigt ist. Beim dem ganzen Konsum in der Weihnachtszeit und dem sich unter dem Weihnachtbaum mit Geschenken Ueberhäufen geht uns der Blick fuer das Wesentliche an Weihnachten doch viel zu häufig verloren.

Vorbereitungen fuer das groβe Fest wurden hier natuerlich auch getroffen. Allerdings haben die meisten erst drei Tage vor Weihnachten damit angefangen. Im Kashura Women Centre stand pl ötzlich ein Weihnachtsbaum, an dessen Zweige Weihnachtskarten gehängt wurden. Man hat sich schicke, neue Klamotten fuer das Fest gekauft und sich eine besonders tolle Frisur verpassen lassen.

Am 23. Dezember gab es abends fuer alle Mitarbeiter der ELCT einen Gottesdienst und in diesem wurde ich so richtig auf Weihnachten eingestimmt. Es wurden nun auch Weihnachtslieder gesungen. Alle unser bekannten Weihnachtslieder wie zum Beispiel „Stille Nacht“, „Oh, du fröhliche“ oder „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ gibt es nämlich auch auf Kiswahili. Kinder haben mit einer Kerze in der Hand Abschnitte der Weihnachtsgeschichte aufgesagt und zwischendurch wurde immer wieder gesungen. Der Weihnachtsbaum hier war nicht nur mit Karten, sondern auch mit Lametta, Kugeln und sogar Luftballons geschmueckt. Anschlieβend gab es fuer alle Abendessen und man hat sich Ueber die Feiertage verabschiedet.

Am 24. Dezember haben Lilian und ich uns morgen auf den Weg in das Dorf von Lilians Familie gemacht. Lilian hatte mich eingeladen, Weihnachten mit ihrer Familie zusammen zu feiern. Normalerweise geht man hier am 24. Dezember abends um 20.00 Uhr zum Gottesdienst. Wir hatten allerdings schon angefangen, das Essen fuer den nächsten Tag vorzubereiten. Dann gab es viel zu erzählen, weil sich in einer groβen Familie die meisten nur selten sehen und als wir auf die Uhr geguckt haben, war es schon 20.00 Uhr und da hat sich auch keiner mehr aufgerafft, um in die Kirche zu gehen. Wir hatten also eine kleine „private“ Abendandacht mit dem Bibeltext des Tages und einem Weihnachtslied auf Kihaya.

Am nächsten Morgen ging es frueh raus. Die ganze Familie hat zusammen das Essen vorbereitet, bevor es dann um 10.00 Uhr in den Gottesdienst ging. Die Kirche war tansanisch-weihnachtlich geschmueckt. Anschlieβend gab es dann das Weihnachtsessen zu Hause. Auch wenn es sonst nicht so viele Variationen gibt, war das Weihnachtsessen etwas besonderes und hat mir auβerordentlich gut geschmeckt. Danach haben wir Weihnachtskuchen, den Lilian und ich gebacken hatten, und Schokolade gegessen. Abends haben wir dann noch einen Spaziergang durch das Dorf gemacht und einige Nachbarn und Freunde der Familie besucht. Am 26. Dezember sind wir wieder um 10.00 Uhr zum Gottesdienst gegangen, haben anschlieβend Mittag gegessen, uns etwas ausgeruht, dann kamen Nachbarn zu Besuch und wir haben noch ein paar Leute  besucht.

In vielen Dingen war Weihnachten in Tansania also gar nicht so anders wie in Deutschland. Es ist ein Fest der Familie, an dem man gemuetlich zusammen ist, Freunden und Verwandten einen Besuch abstattet, an dem man viel isst und ein wenig zur Ruhe kommt. Auf der anderen Seite gibt es doch deutliche Unterschiede. Den ganzen Aufwand den wir um der Geschenke willen betreiben, existiert hier einfach nicht. Als ich einmal um eines Gespräches willen jemanden gefragt habe, ob sie denn schon das Essen fuer Weihnachten geplant habe, habe ich die Antwort bekommen, dass man so viel da ja auch nicht planen muesse. Essen wäre ja nun mal notwendig.

Am 27. Dezember sind Lilian und ich dann wieder zurueck in die Stadt gefahren. Mich hat einmal mehr der Unterschied zwischen Stadt und Dorf erstaunt. In den Dörfern leben die Menschen wirklich nur von ihrem Feld und arbeiten den ganzen Tag hart, damit das Feld sie ernährt.

Ich fand es unglaublich interessant Weihnachten in einem tansanischen Dorf, so ganz ohne Strom und flieβendes Wasser, aber in einem Haus aus Stein in einem Bett. Es war schon eine ganz besondere Erfahrung, die mir den Blick fuer das Wesentliche weiter geöffnet hat!

 

Unser großer Auftritt in Kanisa Kuu

Autor: Nadine | Datum: 08 Dezember 2011, 19:32 | 1 Kommentare

Nachdem wir lange davon gesprochen und in der letzten Woche jeden Tag geprobt hatten, war es dann am Sonntag endlich soweit. Der Kwaya ya vijana (Jugendchor) hatte seinen groβen Auftritt in Kanisa Kuu. Und ich mitten drin.

Aber ich fang mal ganz von vorne an: der Chor, in dem ich singe, gehört zur Gemeinde Kashura und singt sonntags immer in der Kirche in Kashura, die von meinem Zuhause keine zwei Minuten entfernt ist. Wie ich schon eher mal versucht habe zu beschreiben, liegt Kashura etwas auβerhalb der Stadt, den Berg hinauf. Es gibt in der Stadt nämlich noch eine andere, gröβere Kirche, Kanisa Kuu. In der durfte der Kwaya ya vijana aus Kashura nun am letzten Sonntag auftreten. Bereits am Freitag wurde die Chor-Uniform an alle verteilt. Wir haben dieses Mal nämlich nicht schwarz-weiβ getragen, wie bei sonstigen Auftritten, sondern ein besonders Outfit, das für jeden individuell geschneidert wurde. Für die Mädchen ist das ein fliederfarbenes Kleid (oder zumindest glaube ich, dass man die Farbe „flieder“ nennen kann). Ich werde Fotos hochladen, dann könnt ihr es euch angucken.

Es hieβ, dass wir in beiden Gottesdiensten singen werde. Der erste beginnt um 7.30 Uhr. Auf dem Weg in die Stadt habe ich natürlich gleich ein anderes Mitglied aus dem Chor getroffen und wir sind zusammen gegangen. Auf dem Weg haben wir schon bewundernde Blicke für unser Outfit erhalten.

Für mich war es der erste Gang in Kanisa Kuu und ich war wirklich beeindruckt von der modernen Bauweise, der Gröβe und Schönheit dieser Kirche. Sie steht einer modernen Kirche in Deutschland in nichts nach. Vor allem war ich aber beeindruckt, dass vor dem Altar eine Leinwand aufgebaut war und davor ein Beamer mit Laptop stand. Wer dachte, dass es so etwas in Afrika nicht gibt, den muss ich eines besseren belehren.

Der Grund dafür war, dass Tanzania am 9. Dezember, also morgen, vor 50 Jahren seine Unabhängigkeit erlangt hat. Dieser besonderer Tag wurde am letzten Sonntag im Gottesdienst gefeiert. Beamer und Leinwand dienten dazu Lieder wie die tansanische Nationalhymne an die Wand zu werfen.

Im ersten Gottesdienst haben neben unserem Chor noch zwei weitere Chöre gesungen. Wir sind zusammen mit den Pastoren ein- und nach dem Gottesdienst ausgezogen. Jedes Chormitglied hat eine Soda (Cola, Fanta oder Sprite) bekommen, die schnell ausgetrunken und ist wieder in die Kirche gegangen, zum zweiten Gottesdienst. Neben den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit gab es in diesem Gottesdienst noch Konfirmationen. Ich kann es schlecht schätzen, aber ich würde sagen, dass bestimmt 80 Kinder konfirmiert wurden. Der Pfarrer hat in der Predigt, wie ich finde sehr schön, die Unabhängigkeit Tanzanias und die der jungen Leute kombiniert.

Unsere Auftritte mit dem Chor haben wirklich sehr gut geklappt. Ich habe richtig dazugehört. Nicht nur, weil ich das gleiche Kleid wie alle anderen im Chor anhatte. Das hat schon signalisiert, dass ich nicht „nur“ irgendein Mzungu bin, sondern ein vollwertiges Mitglied des Chores, der Gemeinschaft. Sondern auch, dass sich alle um mich kümmern, um mich besorgt sind und mir helfen. „Hier geht’s lang, Nadine.“ „Wir singen jetzt dieses Lied.“ „Nadine, komm, wir gehen jetzt zusammen nach Hause.“ Das Beste fand ich, dass wir die Nationalhymne zusammen gesungen haben. Den Text schreibe ich hier mal hin, weil ich ihn wirklich schön finde.

Mungu ibariki Afrika,

Wabariki viongozi wake,

Hekima, umoja na amani,

Hizi ni ngao zetu,

Afrika na watu wake.

Ibariki, Afrika,

Ibariki, Afrika,

Tubariki, Watoto wa Afrika.

Mungu ibariki Tanzania,

Dumisha uhuru na umoja,

Wake kwa waume na watoto,

Mungu ibariki,

Tanzania na watu wake.

Ibariki, Tanzania,

Ibariki, Tanzania,

Tubariki, Watoto wa Tanzania.

Der Pastor hatte gesagt, dass wir dabei die Hand aufs Herz legen. Ich habe dann auch gleich, ohne nachzudenken, meine linke Hand aufs Herz gelegt, wurde dann aber von meiner Nachbarin darauf aufmerksam gemacht „Nadine,mkono kulia, weka hapa.“ Nimm die rechte Hand aufs Herz. So stand ich dann da, singend „Gott segne Tanzania“ und fühlte mich schon sehr dazugehörig.

 

Das beste kommt aber noch. Diese Woche proben wir wieder jeden Tag, weil wir am Samstag erneut einen groβen Auftritt haben, bei der Hochzeit des Pastors. Davon berichte ich dann beim nächsten Mal. Bei der Probe am Montag wurde dann noch mal gesagt, wie gut wir alle gestern beim Auftritt in Kanisa Kuu waren. Dann meinte unser Lehrer „Dada huyu (und zeigt dabei auf mich) amecheza vizuri kabisa!“ Er hat erzählt, dass er Montag schon von vielen Leuten darauf angesprochen wurde, dass der Mzungu im Chor aus Kashura wirklich super getanzt hätte. Er meinte, dass die Leute gesagt hätten, wenn es kein Mzungu wäre, hätte man gar keinen Unterschied sehen können! Ein größeres Kompliment konnte ich nicht bekommen!

Ich komme hier also immer besser in alles rein. Die anderen Mitglieder des Chores, meine schärfsten Kritiker, wenn es um die Sprache geht, haben mir diese Woche schon mehrmals gesagt, dass ich schon gut Kiswahili kann. Im Vorfeld hieβ es immer, dass wir nach drei Monaten super die Sprache beherrschen würden. Als ich hier ankam, habe ich immer gedacht, dass schaffst du nie. Die drei Monate sind schon bald um. Du kannst es immer noch nicht. Als ich dann irgendwann aufgehört habe, ständig daran zu denken, ist mir allmählich bewusst geworden, wie viel ich doch schon kann. Ich will jetzt nicht behaupten, ich wäre super gut in Kiswahili. Ich bin aber deutlich besser als vor einigen Wochen und Monaten.

Ich habe mir jetzt ein super schickes tansanisches Outfit von Aziza, Lilians Freundin und Schneiderin, schneidern lassen. Das macht einfach solchen Spaβ seine Vorstellungen aufzumalen und nachher ein fertiges Stück in der Hand zu halten. Bei den letzten Besuchen bei Aziza habe ich auch gemerkt, wie viel mehr ich mich unterhalten kann, als kurz nach meiner Ankunft hier. Ich kann ihr genau sagen, wie ich alles haben will. Auβerdem sagt mir jetzt jeder, den ich treffe, wie gut ich aussehe und wie toll sie meinen Dress finden.

Gerade heute hieβ es bei HUYAWA „Nadine, unajua kufanya kazi vizuri.“ (Du weiβt, wie man gute Arbeit macht.) Zur Zeit werden die Planungen für nächstes Jahr gemacht und wir versuchen langsam aber sicher mit der Datenbank voranzukommen. Dieser obige Satz stammt aus diesem Zusammenhang, weil ich bei der Datenbank die Geschichte der Familien kurz in den Computer eingeben muss. Ich soll aber nicht alles, was auf dem Papier steht stumpf abtippen, sondern es kurz und knackig aufschreiben. Gerade heute habe ich ihnen noch mal versichert, dass ich erst alles lese und dann entscheide, wie ich es aufschreibe und gegebenenfalls umformuliere, eine gute Übung für mich.

Als ich vor drei Wochen von einem Mitglied des Chores zur Konfirmation seiner Cousine eingeladen wurde, die Feier war im Dorf bei der Familie zu Hause, wurde ich dort als „der Gast aus Kashura“ begrüβt und nicht als der „Mzungu aus Deutschland“.

Heute hat Bischof Buberwa nach der Morgenandacht allen einen schönen Unabhängigkeitstag morgen gewünscht und ist noch einmal kurz auf die Bedeutung und den Hintergrund des Feiertages eingegangen. Danach wurde die tansanische Nationalhymne gesungen, von der ich zugeben muss, dass ich sie noch nicht ganz auswendig kann. Anschlieβend wurde auch noch das obige Lied gesungen. Dazu meinte der Bischof, dass einer mir mal im Gesangbuch (daran steht das Lied auch) die richtige Seite aufschlagen soll, damit „unsere Tochter Nadine“ (er hat wirklich gesagt „Binti yetu Nadine“) auch mitsingen kann. Irgendwie hat er damit schon recht, so freundlich, wie sie mich alle aufnehmen.

Dies alles gibt mir so nach und nach das Gefühl, hier richtig angekommen zu sein und in alles immer weiter hereinzukommen. Es gibt auch Dinge, die noch ihre Zeit brauchen, aber ich bin sehr zufrieden mit mir und fühle mich wirklich wohl.

Ich wünsche euch allen eine schöne Advents- und Vorweihnachtszeit.

Nadine

 

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